Trotz Fahrverbotes fuhr ein Knittelfelder auf Tremmelberg-Forststraße. Laut Grundbesitzer sei hohe Strafe nur wegen der Uneinsichtigkeit des Mountainbikers zustande gekommen.

Von Josef Fröhlich | 04.30 Uhr, 24. August 2021

Es war ein teurer Ausflug mit dem Mountainbike. Exakt 768 Euro und 81 Cent musste ein Knittelfelder zahlen, weil er vor einigen Wochen eine Forststraße im Tremmelberg-Gebiet benutzt hatte. Dort herrscht für Radler Fahrverbot; wie berichtet, gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Verhandlungen über eine Öffnung des Knittelfelder Hausberges für Mountainbiker, bisher ohne Erfolg.

Über den Hergang des Vorfalles, der zur hohen Strafe geführt hat, gibt es unterschiedliche Schilderungen. „Ein Forstauto hat mich regelrecht verfolgt, als hätte ich eine Trafik ausgeraubt, sodass ich Angst bekommen habe und weitergefahren bin“, sagt der Hobbysportler, der nicht mit Namen genannt werden will. Schließlich habe ihn das Auto „mit nur ein paar Zentimeter Abstand“ überholt. „Dann wollte der Fahrer wissen, wer ich bin, aber das sage ich nicht jedem“, so der Mann. Der Lenker des Wagens war der Förster des Grundbesitzers, der Waldgenossenschaft Seckau. Der Biker protestierte und wollte seine Daten nicht preisgeben, daraufhin wurde er vom Förster gefilmt, die Angelegenheit landete bei der Anwaltskanzlei Maier-Voitle in Knittelfeld.

„Völlige Uneinsichtigkeit“

Im Anwaltsbrief heißt es, man habe trotz der „völligen Uneinsichtigkeit“ von einer Unterlassungsklage und einer Anzeige bei der BH abgesehen. Aber: Der Seckauer Waldgenossenschaft seien wegen der Ausforschung der Personalien 100 Euro an Verwaltungskosten entstanden, dazu die Honorarnote des Anwalts: Macht insgesamt 768,81 Euro. „Bei 150 Euro hätte ich gar nichts gesagt, aber das ist ein Horrorbetrag für so eine Kleinigkeit“, sagt der Radler. Eine Bitte um Herabsetzung des Betrages wurde unter Hinweis auf sein Verhalten abgelehnt. Er hat inzwischen gezahlt und eine Unterlassungserklärung unterschrieben.

Hubert Pommer, Obmann der Genossenschaft, die im Tremmelberg-Gebiet knapp 900 Hektar besitzt: „So etwas kommt vielleicht einmal im Jahr vor, wenn wir es mit absolut uneinsichtigen Mountainbikern zu tun haben. Dieser Biker war ja richtig frech.“ Der Förster habe den Auftrag zu freundlichem Umgang, mit den meisten lasse sich reden: „Wenn jemand sagt, er dreht wieder um, unternehmen wir gar nichts, wir sind ja keine Unmenschen.“ In diesem Fall sei der Mann seiner Ausweispflicht gegenüber einem beeideten Forstschutzorgan nicht nachgekommen, der Förster habe sich hingegen ausgewiesen. Der Radler bestätigt, sein Gegenüber habe mit „irgendwas gewachelt“.

Mit einer Freigabe des von Forststraßen durchzogenen Tremmelberges, dessen Zwillings-Aussichtstürme eine Attraktion sind, scheint es so schnell nichts zu werden. Im Vorjahr gab es eine Initiative der Gemeinden Knittelfeld, Seckau, Kobenz und Spielberg, doch man kam mit dem Preis nicht zusammen. 17.000 Euro Jahrespacht boten die Gemeinden, 30.000 wollte die Genossenschaft. „Wir sind weiter gesprächsbereit. Es gab auch schon einen privaten Interessenten, der wegen der Öffnung angefragt hat, aber da haben wir nichts mehr gehört„, sagt Obmann Hubert Pommer. Da man die Interessen von 200 Mitgliedern zu vertreten habe, sei die Situation für die Genossenschaft nicht einfach.

Inzwischen sind in der Region mehrere andere legale Strecken entstanden. So mancher Beobachter glaubt, dass deshalb das Interesse an der Freigabe des Tremmelberges nicht mehr so hoch und auch der im Vorjahr von den Gemeinden gebotene Pachtpreis nicht mehr realistisch sei.